LedgerEngineers

Mit LogCoin ab in die Zukunft

Klassische Entwicklungsarbeit, gepaart mit Start-up-Mentalität: Die LedgerEngineers wollen Logistik-Unternehmen mit der Blockchain-Technology digitaler machen. Die Idee für ihre Plattform „LogCoin“ kam ihnen beim Stöbern auf Kleinanzeigenportalen …

„Schaukelstuhl, Vintage, 85 Euro“: Auf Kleinanzeigenportalen schlägt man bei Schnäppchen schnell zu und vergisst, dass man das gute Stück ja in der Regel beim Käufer abholen muss. Was tun, wenn der nicht in der Nachbarstadt, sondern weiter weg wohnt? Mit dieser Frage beschäftigten sich auch Philipp Sprenger und seine Kollegen in der Abteilung „Einkauf & Finanzen im Supply Chain Management“ am Fraunhofer-Institut für Logistik und Materialfluss IML. Für die Blockchain-Experten lag es nahe, eine Lösung auf Basis der neuen Distributed-Ledger-Technologie (DLT) zu entwickeln. Was vor einem Jahr mit einer rudimentären Idee begann, hat sich inzwischen zu einer GmbH mit dem Namen „LedgerEngineers“ (Ledger = Kassenbuch) ausgewachsen, von Anfang an unterstützt von der Fraunhofer-Gesellschaft. Mit der Mitgliedschaft im Digital Hub Logistics hat Phillip Sprenger das Gefühl, „als Start-up-Unternehmen ein Stück weit angekommen zu sein“.

Alltag formte Plattform-Idee

Denn: Die Gründung eines eigenen Unternehmens stand weder beim heutigen CEO Sprenger noch bei seinen Kollegen Natalia Broza-Abut (CFO) und Dominik Sparer (CTO) auf der beruflichen Agenda. Als Mitarbeiter am Fraunhofer IML schien zunächst eine Karriere in der Wissenschaft angezeigt. Mit der Blockchain-Technologie erforschen die Kollegen am Institut indes ein Top-Thema in der Digitalwirtschaft, dem „Game Changer“ der Zukunft. Die revolutionäre Erfindung für ein Alltagsproblem zu nutzen, reizte die Wissenschaftler. Sie entwickelten eine Plattform, einen Kryto-Token und eine App: Die LogCoin-Plattform, eine Blockchain-basierte Sharing-Economy-Plattform für die Logistik, war geboren.

Und so funktioniert sie: Wer heute ein Online-Schnäppchen in einer anderen Stadt gekauft hat, muss es nicht mehr selbst abholen, sondern beauftragt jemanden, der den Weg ohnehin fährt – Prinzip „Uber“. Alle Akteure dieser Lieferkette werden bei der Überwachung der Vertragsdurchführungen unterstützt, Geschäftsprozesse automatisch initiiert und bilanzierbare Vermögenswerte über das Token-Netzwerk „LogCoin“ ausgetauscht. 

Jede Menge Potenzial im B2B-Bereich

Der Grundgedanke von einst – eine B2C-Lösung – wich im Entwicklungsprozess der Erkenntnis, dass im B2B-Bereich noch viel mehr Potenzial stecken könnte. Einsatzbereiche sehen sie bei Track & Trace, Prozessautomatisierung, Sharing Economy, Smart Payments, Proof of Origin und Data Exchange. Derzeit sind die Gründer deshalb dabei, einen Pilotkunden für ihre Plattform zu suchen. „Für die meisten Start-ups ist das die größte Schwierigkeit, weil sie – anders als alteingesessene Unternehmen – nicht über einen Zugang zum Markt und damit zu potenziellen Partnern verfügen“, ist sich Philipp Sprenger der Herausforderung bewusst. „Gleichzeitig hat unser Projekt auch eine ungeheure Dimension der Veränderung für Unternehmen – und beim Thema Blockchain muss man mitunter auch noch dicke Bretter bohren. Da gibt es noch viele Vorbehalte.“ Vorbehalte, auf die Philipp Sprenger in Kundengesprächen gut vorbereitet ist: „Mit unserer Lösung lassen sich administrative Prozesse z. B. beim Warentransport effizient gestalten und der Gefahren- und Haftungsübergang lückenlos tracken.“

Klassisch-konservativ: Auch so geht Start-up

Bis Plattform und App reif für den Markt sind, wird noch etwas Zeit vergehen. Einiges an klassischer Entwicklungsarbeit liegt noch vor den LedgerEngineers. „Vielleicht fühlt sich unser Unternehmen auch deshalb nicht wie ein Start-up an“, schmunzelt Philipp Sprenger. „Wir sind sehr bodenständig unterwegs, essen Currywurst, trinken Kaffee – und einen Tischkicker gibt´s bei uns auch nicht …“ Was aber typisch Start-up ist, ist die agile Methodik und Vorgehensweise bei der Produktentwicklung: Schritt für Schritt, getrieben davon, „regelmäßig etwas Releasefähiges zu produzieren, um schnelle Vorteile zu generieren“.

Etwas konservativer gehen die Gründer an ihr Produktportfolio heran und setzen nicht alles auf eine Karte: Neben der LogCoin Plattform als Produkt bieten sie Dienstleistungen in den Bereichen „Software Engineering“ und „Consulting & Training“ an – zwei Geschäftsbereiche, in denen bereits einige Kunden betreut werden. Das Entwicklungsportfolio umfasst dabei Distributed-Ledger-Technologie-Backend-Entwicklungen, Frontend-Entwicklungen (Webanwendungen, native Anwendungen, Anwendungen für Betriebssysteme wie Mac OS, Windows, Linux) und das Design von Smart Contracts. Als Beratungspartner für DLT-basierte Projekte im (Financial) Supply Chain Management hilft das Team Unternehmen bei der Identifizierung und Bewertung geeigneter Anwendungsfälle und entwickelt gemeinsam mit dem Kunden Produkte und Services.