Social Start-up

Neue Wege in der humanitären Logistik

Sie haben den 2. Platz des Digital Logistics Award 2020 gewonnen: Das Social Start-up Boxwise – jetzt unter dem neuen Namen Boxtribute auf Erfolgskurs.

Das Non-Profit-Start-up Boxtribute hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bereitstellung von humanitären Hilfsgütern durch ihr Open-Source-Web-App-System zu verbessern. Das rund 10-köpfige Team hat seinen Sitz in Rotterdam in den Niederlanden und arbeitet mit Partnerorganisationen aus der ganzen Welt zusammen. Wir sprachen mit Executive Director Roanna Kong über wichtige Meilensteine und bevorstehende Herausforderungen.

 

​Das Wichtigste zuerst: Können Sie kurz zusammenfassen, was Boxtribute zu erreichen versucht?

Roanna Kong: Unser Ziel ist es, gefährdeten Menschen in Krisensituationen lebensrettende Hilfe zukommen zu lassen. Konkret hoffen wir, dies zu erreichen, indem wir die Systemlücken schließen, die Menschen daran hindern, die Hilfe zu erhalten, die sie heute brauchen. Derzeit haben wir ein digitales System entwickelt, das die Beschaffung, Lagerung und Verteilung von Gütern an Bedürftige auf faire und menschenwürdige Weise erleichtert. Natürlich tun wir dies nicht allein: Wir arbeiten Hand in Hand mit unseren lokalen und internationalen Partnern, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Vor drei Jahren haben Sie am Digital Logistics Award teilgenommen. Welche wichtigen Meilensteine haben Sie seit der Teilnahme an dem Award erreicht?

Roanna Kong: Wir haben einige wichtige Verbesserungen auf der digitalen Seite vorgenommen, da wir große Teile unserer App mit einem neuen Technologie-Stack umgestaltet haben, der neue Funktionen hat und viel moderner ist. Seit 2022, als der Krieg in der Ukraine begann, wird unsere Software in Sfaza Dobra, dem größten Verteilungszentrum in Krakau in Polen, eingesetzt, wo Flüchtlinge mit Hilfsgütern versorgt werden. Im Jahr 2023 erreichten wir einen großen Meilenstein, als Boxtribute dazu beitrug, über 1 Million Hilfsgüter zu verteilen. Im vergangenen Jahr erhielten wir außerdem den ANBI-Status in den Niederlanden und sind nun offiziell als gemeinnützige Einrichtung registriert, die dem allgemeinen Interesse der Gesellschaft dient.

 

Im Jahr 2020 haben Sie mit dem Namen Boxwise am Award teilgenommen – inzwischen haben Sie ihn in Boxtribute geändert. Was war der Grund dafür?

Roanna Kong: Es gab ein paar Überschneidungen beim Namen und wir wollten unseren Wiedererkennungswert stärken und gleichzeitig unser Engagement im humanitären Bereich demonstrieren. Der Name Boxtribute ist eine Wortkomposition und kombiniert das Wort „Boxen“ mit „distrubute“ (deutsch: verteilen), was unseren logistischen Schwerpunkt und eine Ableitung von „contribution“ (deutsch: Beitrag) für die humanitäre Priorität darstellt.

 

Sie haben kürzlich die neue „Transferfunktion“ eingeführt: Können Sie uns etwas mehr darüber erzählen?

Roanna Kong: Im vergangenen Jahr hat das Boxtribute-Team an einer Lösung gearbeitet, die es unseren Partnern ermöglicht, Kartons durch einfaches Scannen (mobile Version) oder Zuordnen zu einer Sendung (Desktop-Version) zwischen ihnen zu transferieren. Sowohl die versendenden als auch die empfangenden Teams werden in der Lage sein, geplante Sendungen live zu überwachen, während sie gepackt, versendet und am Zielort empfangen werden. Wie viele Menschen in der Logistikbranche wissen, ist die Organisation des Empfangsprozesses für ein Lager ein anspruchsvoller und zeitaufwändiger Prozess. Diese Funktion spart den versendenden und empfangenden Gruppen Zeit und Ressourcen, die sie für die Neuetikettierung von Kartons und die manuelle Eingabe von Daten zur Aktualisierung ihres aktuellen Bestands aufwenden müssen. Kisten, die einmal aus dem Lager einer Organisation verschickt wurden, können nun mit einem Mausklick direkt an einem beliebigen Ort im Lager der anderen Organisation angenommen werden.

 

Was sind Ihre Pläne für das kommende Jahr?

Roanna Kong: Unser Plan ist es, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wie die Hilfe auf lokaler und individueller Ebene funktioniert, damit jeder sehen kann, wie die Menschen die Güter erhalten sollten, die sie dringend benötigen. Von der Gemeinschaft getragene Initiativen sind entscheidend, um dies zu ermöglichen. Ein großartiges Beispiel dafür ist das von The Free Shop erfolgreich durchgeführte Projekt im Libanon, wo ein Team von vier Einheimischen mit unserer Software über 500 Familien mit dringend benötigten Gütern unterstützt. Wir wollen dieses Jahr auch in weitere Länder expandieren, vor allem im Nahen Osten, um Probleme direkter anzugehen.

 

Wie kann die Digital Hub-Community Ihnen dabei helfen?

Roanna Kong: Wir wollen unser Netzwerk ausbauen – unser Ziel ist es, die Verfügbarkeit von Hilfsgütern zu erfassen. Daher suchen wir nach neuen Partnern aus für die Versorgung relevanten Bereichen, wie z. B. Energie/Strom oder Wasserversorgung. Die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der Entwicklungshilfe ist von entscheidender Bedeutung, um Leben zu retten und sicherzustellen, dass die Hilfe die Bedürftigen richtig erreicht und ihnen in Würde und mit Entscheidungsfreiheit zuteil wird. Nur gemeinsam können wir die Krisen dieser Zeit bewältigen und die Verteilung humanitärer Güter verbessern – jeder aus dem Digital Hub-Netzwerk, der an einer Zusammenarbeit mit uns interessiert ist, kann mich gerne kontaktieren.