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Was macht eigentlich ein Innovationscoach?

Im Zeitalter der Digitalisierung laufen Innovationsprozesse völlig anders ab, als gewachsene Unternehmen es gewohnt sind. Wie ein Innovationscoach zum Gelingen von Digitalisierungsprojekten beitragen kann, zeigt sich beim Hub-Mitglied BEULCO aus Südwestfalen, einer der vielen Hidden Champions in dieser Region. Tradition und Agilität stehen hier nicht im Widerspruch.

Die Digitalisierung eröffnet gerade mittelständischen Unternehmen viele Handlungsoptionen. Viele sind sich der Chancen bewusst – so wie das Familienunternehmen BEULCO mit Sitz in Attendorn, das europaweit zu den Top-Anbietern von hochqualitativen Produkten für die Wasserversorgung zählt und seit kurzem Mitglied im Digital Hub Logistics ist. BEULCO weiß, wie wichtig die Digitalisierung für das Unternehmen ist und wie grundlegend die Digitalisierung Produkte, Geschäftsmodelle und nicht zuletzt auch das Führungsverständnis verändern wird. Die Strategie „Beulco 2025“, vor rund zwei Jahren verabschiedet, beinhaltet einen abteilungsübergreifenden Umgang mit dem Thema Digitalisierung. Im Rahmen der Initiative Digital in NRW – Kompetenz für den Mittelstand hat das Unternehmen bereits ein Umsetzungsprojekt zur Digitalisierung seiner intralogistischen Prozesse durch kamerabasierte Behälterfüllgradmessung und die Konzeptentwicklung zum Einsatz eines fahrerlosen Transportfahrzeugs erfolgreich abgeschlossen. Nun geht BEULCO in Zusammenarbeit mit dem Digital Hub Logistics eine digitale Produktoffensive an: Vor wenigen Monaten ist das Unternehmen mit einem Team in den Hub eingezogen, wo es von einem Innovationscoach begleitet wird – eine der wesentlichen Leistungen des Hubs.

 Was will der Kunde?

Der Innovationscoach des Hubs versteht sich dabei als Ideengeber und Sparringspartner bei der Steuerung des Innovationsprozesses durch das Unternehmen. Er ist kein fachlicher Experte, wenngleich er sich intensiv in das jeweilige Thema bzw. die Problemstellung einarbeitet. Seine Hauptaufgabe liegt jedoch darin, Prozess mit seiner Expertise zu begleiten und zu befeuern. Mit seinem Wissen über aktuelle Innovationsentwicklungen und -methoden kann er das Unternehmen zum Einsatz digitaler Technologien und agiler Methoden beraten. In Meetings hat er nicht die Unternehmensbrille auf, sondern argumentiert aus Kunden- und Nutzersicht und liefert neutrale Einschätzungen.

Das ist wichtig, denn Innovation wird heute immer schneller, die Innovationszyklen immer kürzer. Das Wasserfall-Modell von einst, in dem eine Prozessphase mit vordefinierten Start- und Endpunkten auf die nächste folgte, hat ausgedient. Es ist zu starr, zu schwerfällig geworden. Die Erfolge von Start-ups zeigen, dass viele Prozesse parallel ablaufen müssen, dass kleine Teams schneller sind, dass die frühe Rückkopplung mit dem Kunden Zeit spart. Gerade beim letzten Punkt haben Mittelständler im Übrigen einen großen Vorteil gegenüber Start-ups, denn sie verfügen – anders als die jungen Gründer – bereits über einen Zugang zum Markt und zum Kunden.

Schnell lernen, wenig Fehler machen

Die Zusammenarbeit mit BEULCO ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Innovationscoach ein Unternehmen auf dem Weg der digitalen Transformation unterstützen kann. Das Unternehmen bindet den Innovationscoach stark in den Prozess ein und steht in regelmäßigem Austausch mit ihm. Für das Traditionsunternehmen sind die Kombination und das Zusammenspiel von Agilität und Digitalisierung bereits eng verbunden. Agile Innovationsprozesse wirken von außen zwar oft chaotisch und unstrukturiert. Tatsächlich sind sie streng durchgeplant. Denn weil man schnell lernen und Fehler minimieren bzw. weniger schwerwiegende Fehler machen will, geht man sehr kleinschrittig und detailliert vor.

BEULCO arbeitet eng am Produkt: einem System zur Digitalisierung des Hauswasseranschlusses. Das sogenannte iQ water system des Unternehmens adressiert die heutigen und zukünftigen Herausforderungen der Wasserversorgung und ermöglicht eine Transparenz des Wassernetzes bis auf den letzten Meter. Im Hub geht es um die Finalisierung des Produkts, die Testphase kann schon bald starten. Das Produkt und die dazugehörige Plattform sollen dann Schritt für Schritt weiterentwickelt werden. Vor diesem Hintergrund hat der Innovationscoach des Digital Hub zunächst einen Workshop zum Thema „Minimum Viable Products“ (MVP) empfohlen. Getreu dem Motto KISS (Keep It Short & Simple bzw. Keep It Stupid & Simple) geht es darum, immer möglichst schnell eine Produktvorstufe oder einen Produktbaustein, ein noch nicht bis ins Detail ausgereiftes oder auch ein „abgespecktes“ Produkt zu entwickeln, zu testen und im Ergebnis zu vervollständigen.Für das Vorhaben von BEULCO ist es zudem das Thema „IT Security“ von enormer Bedeutung. Der Innovationscoach sucht für entsprechende Tests bereits nach geeigneten Partnern aus dem Innovationsökosystem des Hubs, die über die Produktentwicklung hinaus auch einen kulturellen Mehrwert bieten. So ist hier unter anderem an eine Zusammenarbeit mit einem Start-up gedacht.

Co-Working auf allen Ebenen

Offiziell stehen die Innovationscoachs den Mitgliedern des Hubs übrigens acht Stunden im Monat zur Verfügung. Oft geht das Engagement aber darüber hinaus. Da ein Innovationscoachs durchaus auch mehrere Unternehmen betreut, kann er aus den höchst unterschiedlichen Aufgabenstellungen – hier strategisch, dort operativ – viele Mehrwerte ziehen und mit dem Netzwerk teilen. So entsteht im Hub einmal mehr ein echtes Co-Working.